Das Wrack der USS Johnston - 1:350 Trumpeter

Begonnen von Floriansjünger, 03. Januar 2023, 18:44

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Floriansjünger

Ein schönes neues Jahr euch allen!

Als erstes Projekt dieses Jahres habe ich mir vorgenommen, das Wrack der USS Johnston zu bauen, die in der Schlacht vor Samar am 25. Oktober 1944 versenkt wurde, und bis zur Entdeckung der am gleichen Tag versenkten USS Samuel B. Roberts das bis dahin tiefste gefundene Schiffswrack war.

Im Laufe des Jahres 2022 wurden die Ergebnisse der Expedition von 2021 veröffentlicht, was dieses Projekt erst in's Leben rief - ein guter erster Überblick über den Zustand des Wracks findet sich auf Youtube:


Da es sich hier (offensichtlich) um ein längeres und recht umfangreiches Projekt handeln wird, habe ich mich entschieden, dass eher in Baubericht-Form zu dokumentieren, um einen besseren Überblick zu ermöglichen.

Als Grundlage dient Trumpeters 1:350 USS The Sullivans Bausatz. Dies ist einer der wenigen, mit denen die spätere Bauform der Fletcher-Klasse mit rechteckiger Brücke dargestellt werden kann, ohne groß in Umbausätze investieren zu müssen. Da außerdem Bauformen der Sullivans für die Jahre 1943 und 1945 beiliegen, sollte alles Material vorhanden sein, um einen Fletcher-Zerstörer im Zustand von 1944 darzustellen.

Als erstes wird der Rumpf zusammengeklebt - die Einschusslöcher und die Bruchstelle werden erst später bearbeitet:


Die Geschütztürme sind schnell gebaut:


Auf dem Deck wurden die beschädigten Stellen an Deck und Aufbauten markiert:


Und die Einschusslöcher im Deck des Vorschiffs wurden gefräst:


Ich hoffe, es gefällt euch!

Schönen Abend,
Matthias
Ich bin Modellbauer, kein Fotograf!

Steffen K.


Das hört sich doch sehr vielversprechend an.

Ein Baubericht mit interessanter Hintergrund-Geschichte ....

... ich bin dabei.

:pop:
"Schöne Grüsse aus der Westpfalz"

Klaus Lotz

Hallo Matthias,

hört sich interessant an. Ich bin gespannt.

Gruß

Klaus
Rettet die Wälder, esst mehr Biber

Floriansjünger

Hallo zusammen,

im Laufe eines langen Wochenendes ist der Baufortschritt natürlich enorm...

Zuerst einmal wurden ein paar kleinere (generelle) Korrekturen vorgenommen. Auf den Bildern vom Wrack scheint keine Spur von etwaigen Anti-Rutschbelägen/Anstrichen an Deck vorhanden zu sein. Nachdem die US Navy bei Verwendung von Tarnanstrichen darauf auch manchmal verzichtet hat (die Wege wären dann Schwarz anstelle von Blau), habe ich mich entschieden, die Wege vom Deck des Modells abzuschaben:


Des weiteren ist die Brücke im Bausatz fehlerhaft, selbst für die USS The Sullivans - im Bausatz sind auf beiden Seiten der Brücke jeweils drei Türen vorhanden, die Rückseite ist glatt. Auf der Backbordseite sollte aber nur die vorderste Tür vorhanden sein, und zusätzlich noch eine an der Rückseite der Brücke... nachdem für die zahlreichen offenen Türen ohnehin ein Eduard-Nachrüstsatz beschafft wurde, wurde diese zusätzliche Tür natürlich ergänzt:


Ansonsten war der Prozess für die Darstellung der Schäden recht einfach, wenn auch etwas repetitiv. Die Schäden anzeichnen, andschließen mit Dremel, Säge und Messer schneiden, bis der gewünschte Effekt vorhanden war, und die Baugruppe angeklebt werden konnte. Danach das ganze immer mehrfach wiederholen, bis der gesamte Aufbau angemessen zerstört ist.





Nachdem einige der Schäden die internen Wände der Aufbauten sichtbar werden lassen, wurden die markantesten davon mit Plastiksheet ergänzt. Gleichzeitig wurden viele der Türen aufgebohrt, und durch die Eduard-Türen im offenen Zustand ersetzt.




Die Schornsteine wurden innen mit einem Stück Plastikrohr ergänzt. Auf die gleiche Art wurde der Unterbau von Schornstein #1 erstellt.


Auch der Wetterschutz fehlt im Originalbausatz vollständig und wurde mit Plastiksheet ergänzt:


Auf der Steuerbordseite neben dem vorderen Torpedowerfer hat sich eine größere Ansammlung von Trümmern gebildet:


Und eine größere Platte liegt links neben dem vorderen Schornstein:


Außerdem wurde die Wasserlinie des Rumpfs verschliffen, und die beschädigten Stellen wurden zuerst von hintem mit dem Dremel dünner gefräst, bevor die eigentlichen Löcher von außen eingeschnitten wurden.



Nachdem Sowohl Rumpf als auch Aufbau damit grundsätzlich fertig sind, war jetzt die Zeit um die beiden Teile zusammenzufügen:



Und zum Schluss noch einmal eine generelle Korrektur - das Teil A4, welches laut Bauplan wesentlich weiter hinten verbaut gehört, ist an der USS Johnston vorne, zwischen dem ersten Schornstein und dem Torpedowerfer korrekt. Hier bin ich mir nicht sicher, ob das ein genereller Fehler ist, ob ob sich die Johnston hier von den anderen Fletcher-Zerstörern unterscheidet.

Ich hoffe es gefällt euch!

Schöne Grüße,
Matthias
Ich bin Modellbauer, kein Fotograf!

Floriansjünger

Hallo zusammen,

gleich vorweg - das ist der letzte Teil des Bauberichts, da ich das Modell am verganenen Wochenende fertiggestellt habe.

Offensichtlich wurden damals nur die vorderen zwei Drittel der USS Johnston gefunden und erkundet. Der verbleibende Rumpf wurde bisher (meines Wissens) noch nicht entdeckt. Entsprechend wurde das Schiff an der entsprechenden Stelle geschnitten, und anschließend das Deck mit einer Kerze erweicht und gebogen:


Der (relativ spärliche) Bewuchs mit Lebewesen bzw. die "Rostzapfen" wurden mithilfe von Sprühkleber und Kaffeesatz angedeutet. Da der Großteil des Schiffs immer noch recht gut erhaltene Farbe zeigt, habe ich mich entschieden, das mithilfe von Haarspray darzustellen. Aus diesem Grund wurde das gesamte Schiff zunächst in fleckigen Rosttönen lackiert:


Im Anschluss wurden die markantesten Bereiche, an denen fast kein Rost zu sehen ist, maskiert - insbesondere die markante Linie in der Farbe am Bug wurde dabei abgedeckt:




Die USS Johnston trug zeit ihrer Karriere die "Measure 21", ein kompletter Anstrich in 5-N Navy Blue an allen vertikalen Flächen, und 20-B Deck Blue an allen horizontalen. Nachdem diese Fabren gesprüht wurden (und ein bisschen Detailbemalung insbesondere z.B. dem blanken, unkorrodierten Aluminium an den Schornsteinen), wurde das Haarspray für das Weathering verwendet:






Zu guter letzt wurden noch Relings von Flyhawk angeklebt, und ein Diorama vorbereitet. Hier handelt es sich um ein simples Stück Styrodur, das mit Mörtelpulver als Textur bestrichen wurde. Das Schiff wurde dann mit mehr Gips/Mörtelgemisch eingepasst und festgeklebt.




Nachdem der Meeresboden bemalt wurde, und ein paar Details zur Auflockerung hinzugefügt wurden, ist das Projekt dann abgeschlossen:














Damit ist auch dieses Projekt zum Ende gekommen - ich hoffe es hat euch gefallen!

Schöne Grüße,
Matthias
Ich bin Modellbauer, kein Fotograf!

Rafael Neumann

Hallo Matthias,

coole Arbeit, denn ich finde es immer wieder interessant, Vorbildfotos im Modell umzusetzen.
Und Du wolltest das Ganze nicht in flüssiges Acryl einbetten ?

Schöne Grüße
Rafael
Wenn ich mal sterbe, hoffe ich, dass meine Frau die Bausätze nicht zu den Preisen verkauft, die ich Ihr genannt habe ...

Demolitian Man

Hallo Matthias,

schönes kleines Wrack :ThumbUp:, ich würde auch den Versuch starten, das ganze in Harz/ Resin zu gießen.

Floriansjünger

Hallo ihr beiden,

freut mich, dass euch das Ganze gefällt!  :5:
Was das Eingießen angeht, bin ich tatsächlich auch immer noch am überlegen - ich will zwar früher oder später so ein Projekt mal versuchen, aber ich bin mir gerade noch nicht ganz sicher, ob ich mir das bei diesem Projekt schon zutraue. Aber natürlich ist das die naheliegendste Herangehensweise.

Auch müsste ich mir dann zunächst einmal entsprechendes Harz besorgen. Aus diesem Grund habe ich es (vorerst) als herkömmliches Diorama fertigzustellen, aber ich möchte nicht ausschließen, dass ich das in der nahen Zukunft noch versuche.

Übrigens, ich habe bei dem Projekt eine ganz interessante Entdeckung im Bezug auf die Stabilität von kleineren Schiffen gemacht - Zerstörer sind relativ bekannt dafür dass die meisten Modelle in echt deutlich kopflastig sind und entsprechende Probleme mit ihrer seefahrerischen Stabilität haben. Die Fletchers sind hier eine der bekannteren Ausnahmen (mit anderen Worten, im allgemeinen sind sie relativ stabil im Vergleich zu anderen Zerstörern). Kaum hatte ich das Schiff geschnitten, war auch das bisher stabile Modell nicht mehr auf ebenem Kiel, und hatte eine deutliche Tendenz, auf die Seite zu kippen...

Schöne Grüße,
Matthias
Ich bin Modellbauer, kein Fotograf!

Christian1970

Das Wrack sieht toll aus.
Was mir persönlich nicht so gut gefällt, ist der Meeresboden. Speziell die grünen Grasbüschel. Die wären in echt viel zu groß im Vergleich zum Schiff. Und die gibt es in 6500m Tiefe nicht mehr. Da kommt kein Licht mehr hin.
Ich würde auch mehr Felsen hinzufügen. Samara gehört ja zu den Philippinen, da ist unter der Wasseroberfläche mehr los.
Auch den Sand würde ich beige/grau lackieren, der ist da unten nicht mehr so gelb.

Gruß Christian  :1:

coporado

Moin,

tolles Projekt mit einer spannenden Geschichte dahinter und super umgesetzt das Ganze  :7:

"Wasser" würde dem Dio noch das i- Tüpfelchen aufsetzen. Wenn du dich mal dran wagen willst, empfehle ich dir dieses Harz --> https://shop.breddermann-kunstharze.de/epoxidharz-giessharz-glasklar-e300GB.html

Das Zeug hat eine Abbindezeit von 300 min, wodurch es praktisch keine Wärmeentwicklung bei dem Prozess gibt. Damit ist die Gefahr dein Modell zu schmelzen quasi gleich null. Durch die lange Topfzeit ist es beim Gießen extrem flüssig, fast wie Wasser. Das setzt eine 100% dichte Schalung voraus.

Zum Meeresboden hat Christian schon das gesagt, was mir auch aufgefallen ist.
Noch eine Anmerkung zu den Beschädigungen.
Bei der Darstellung von Beschädigungen ist unser Bausatzplastik sehr undankbar, da es maßstäblich einfach zu dick ist. Besonders bei den Beschädigungen am Schornstein kommt das hier zur Geltung. In real umgerechnet wäre die Wandung hier wohl 30-50cm stark oder sogar noch darüber hinaus.
Eine schöne Methode um hier Abhilfe zu schaffen, ist die Verwendung von Tubenblech (Tomatenmark, Mayo, Senf...). Das beschädigte Stück Plastik etwas größer auschneiden und mit (zerupften, verbogenen) Tubenblech wieder etwas auffüttern. Das Tubenblech kann man wunderbar biegen und auch die scharfen Kanten bei zerborstenem Metall lassen sich super darstellen.
Diese Methode hatte ich hier bei meiner bruchgelandeten 109 verwendet --> https://modellbauforen.de/index.php/topic,15553.0.html
Gruß
Sascha

Floriansjünger

Hallo ihr beiden,

Danke für die Anmerkungen!  :5:

Das mit dem Meeresboden werde ich dann wahrscheinlich noch einmal ändern (vor allem, falls ich mich tatsächlich an Wasser versuche). Ich muss allerdings sagen, dass mir der Meeresboden an dieser Stelle auf den Fotos eher recht sandig vorkam, und weniger felsig (auch wenn sie im Philippinengraben liegt).

Danke auch für die Empfehlung, welches Harz geeignet ist - werde ich mir ansehen, bzw. die nächsten Tage überlegen. Auf alle Fälle ist meine größere Angst, dass ich das alles nicht dicht bekomme, und es dann ausläuft. Ist bisher schon ein paar Mal passiert - bei ein paar Millilitern Still Water ärgerlich, in dem Fall eine Katastrophe...

Die Sache mit dem Blech finde ich auch eine gute Idee, die ich mir auf alle Fälle merken werde, aber ich bin eher skeptisch, das jetzt noch zu ändern. Dafür ist es an der Stelle wahrscheinlich zu fragil und schlecht zu erreichen, ohne dass ich den Schornstein komplett abreiße.

Schöne Grüße,
Matthias
Ich bin Modellbauer, kein Fotograf!

Floriansjünger

Hallo zusammen,

ich habe mich jetzt doch noch dazu entschieden dem Gießen einen Versuch zu widmen...

Als erstes habe ich jedoch den Meeresboden anhand eurer Verbesserungsvorschläge noch einmal nachgearbeitet - jetzt ist der Sand etwas weniger gelblich, und mehr Steine/Felsen sind auch vorhanden:





Nach 2 Versuchen und 5 Heißklebestiften hatte ich dann auch endlich eine Gussform, die zumindest bei meinem Test mit Wasser auch nach einer Stunde immer noch dicht war:


Nachdem ich mich dann emotional darauf vorbereitet hatte, dass die Chancen als Neuling im Harzgießen deutlich gegen mich stehen,und mir eine zusätzliche Barriere gegen unentdeckte Lecks gebaut hatte, habe ich das Gießen dann begonnen:


Dass offensichtlichste Problem ist, dass ich zu wenig Harz hatte, und die Spitze des Models oben herausragt.  :bonk:

Ich lasse euch die Tage wissen, wie es geworden ist, ich bin allerdings realistisch genug, um keine Wunder zu erwarten - wie in den meisten Fällen, in denen man Resin auf Youtube sieht, dürften Luftblasen ein Problem sein. Außerdem sind mir beim Gießen schon die ersten Schlieren aufgefallen, ich fürchte da habe ich den Anfängerfehler "nicht gut genug gerührt" gemacht.

Einen schönen Abend wünsche ich euch,
Matthias
Ich bin Modellbauer, kein Fotograf!

Floriansjünger

Hallo zusammen,

jetzt hiermit zum letzten Update in diesem Projekt... mehr als eine Gelegenheit zu Lernen war die Sache mit dem Harz leider nicht.  :down:

Es haben sich eine große Menge von Luftblasen gebildet, und die ursprünglich glatte Oberfläche hat sich durch inhomogenes Aushärten und Überlaufen gewandelt:


Nun wäre eine derartig unruhige Oberfläche zwar nicht schön, könnte aber noch wieder repariert werden. Die MEnge an Luftblasen im Inneren ist allerdings nicht mehr akzeptabel. Des weiteren hat es eine chemische Reaktion zwischen Harz und Farbe gegeben, und ein Teil des Schiffs wurde zumindest von den oberen Schichten von Farbe befreit. An den selben Stellen haben sich auch der Großteil der Luftblasen gebildet.
Beinahe nachrangig im Vergleich ist die Tatsache, dass sich durch die Kräfte beim Aushärten der Großteil der Reling vom Schiff gelöst hat, und nun quasi freischwebend im Harz hängt.



Außerdem habe ich gelernt, dass meine Konstruktion für die Gussform vollkommen unzureichen war - dass die schwarzen Plastikplatten nicht ideal sind, war mir von Anfang an klar, aber leider war es das einzige prinzipiell passende Material, auf das ich zu dem Zeitpunkt zugreifen konnte... Das Entfernen der Wände ist sehr aufwändig, und auch wenn es vorher schon offensichtlich war, dass sich hier nichts mehr retten lässt, habe ich es ausprobiert, und mich am Schleifen bzw. Polieren versucht.



Über meine Konstruktion mit der Plastikwanne war ich allerdings froh - tatsächlich hat sich eine solche Temperatur entwickelt, dass der Heißkleber and etlichen Stellen wieder weich wurde, und an ein paar Punkte sogar leckte...

Alles in Allem bin ich froh, dass ich es einmal probiert habe, aber vorerst werde ich keine weitern Wracks unter Wasser bauen  :36:

Schönen Sonntag,
Matthias
Ich bin Modellbauer, kein Fotograf!

Nornagest

Hallo

zuviel und zu schnell vermute ich hier. Aber mir gehts da wie dir....ich habes auch noch nie gewagt.


Gruß
Achim
Ein paar Modelle wollt ich bauen. jetzt bin ich damit soweit im Rückstand, das ich wohl ewig klebe.

Christian1970

Ach du sch....e. Das sieht ja heftig aus.  :3:
Hast du alles direkt reingekippt? Das wird wohl der Grund für die Blasen sein.
Ich hatte das Problem auch bei meinem ersten Diorama. Da habe ich auch direkt mit Gießharz gearbeitet.  :37:
Die ersten beiden Schichten waren ca. 3-5mm hoch. Zwischen dem erneuten eingiessen habe ich immer min. 24 Stunden gewartet.
Nach den ersten beiden Schichten waren keine Luftblasen zu sehen.
Dann wurde ich ungeduldig und habe die letzte Schicht mit knapp 1,5 cm eingegossen. Das war nach dem ersten Tag noch gut, dann am zweiten Tag kamen die Blasen an die Oberfläche.
Da das Dio einen Sumpf zeigt, ist das mit den Blasen nicht ganz so schlimm.

Wie sieht denn das Harz unter der Oberfläche aus? Ist es klar und du kannst das Modell sehen?
Wenn die Blasen nur die Oberfläche betreffen, kannst du das Dio vielleicht noch retten, indem du oben Wellen darstellt und eine rauhe Oberfläche machst.
Die kannst du noch bemalen.
Vielleicht hilft das dann.

Gruß Christian